vergangene Veranstaltungen im WiSe 2013/14

veröffentlicht von m_ am 11.10.2013
....und es geht in die 3. Runde! Wie immer sind alle herzlich willkommen und Vorkenntnisse nicht notwendig.
Wir freuen uns auf Euch!

Ort: Hörsaal H im Psychologicum, Liebiggasse 5, Wien
Zeit: 18.30 Uhr

Di., 29. Oktober 2013
Markus Brunner: "Liebe Deine Nächsten"
Kritisch-sozialpsychologische Überlegungen zu Entstehung und Funktion von Nationalgefühlen

Fr., 15. Nov 2013
Andrea Arnold und Johanna Urban: Stolperstein Evolutionspsychologie
queer/poly - denken/leben

Di., 26. Nov 2013
AK DISKU: Galton, Eysenck und Co.: Eugeniker*innen und Rassist*innen in unserem Lehrplan
-Aktionsworkshop-

Fr., 17. Jän 2014
Fiona Kalkstein: Feminismus und Kritische Psychologie: Annäherungsmöglichkeiten


... uns gibt's jetzt auch auf facebook: fb/akdisku(external link) ...
... Plakat im Anhang

Ankündigungstexte:

Markus Brunner:
"Liebe deine Nächsten"
Kritisch-sozialpsychologische Überlegungen zu Entstehung und Funktion von Nationalgefühlen

Nicht erst die Wahlplakate der FPÖ machen klar, dass mit Nationalgefühlen Politik zu machen ist. Wir alle sind in Verhältnisse geboren, in denen es nur natürlich erscheint, sich als Teil einer Nation zu begreifen und etwas zu entwickeln, was heute "nationale" oder "kulturelle Identität" genannt wird.
In diesem Workshop wird es darum gehen, danach zu fragen, wie es dazu kommt, dass Individuen gesellschaftliche Vorstellungen von Zugehörigkeit und Nicht-Zugehörigkeit zu einer Nation annehmen, und wie diese Vorstellungen emotional für sie relevant werden (davon sind auch 'kritische' Menschen nicht ausgespart). In einer kritischen Auseinandersetzung mit bestehenden, allzu linearen oder einfachen Vorstellungen der Entstehung von Nationalgefühlen soll einerseits in psychoanalytische und massenpsychologische Perspektiven auf Eigen- und Fremdgruppenprozesse eingeführt werden, andererseits zentral der Begriff der "Nachträglichkeit" vorgestellt werden, um zu erklären, wie sich gesellschaftliche Ideologien in den Individuen festsetzen: Die lebensgeschichtlich erworbene Wahrnehmung und Konstruktion von Eigenem und Fremdem wird bestimmt von (z.B. rassistischen) "Diskursen der Differenz", die nachträglich auch frühere Erfahrungen, Ängste und Gefühlslagen 'umschreiben', diese neu codieren und ihnen damit auch einen neuen, "falschen" Ausdruck geben können.

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Andrea Arnold und Johanna Urban: Stolperstein Evolutionspsychologie: queer/poly - denken/leben

Wir zwei haben kürzlich unsere Bachelorarbeit an der Psychologie (Uni Wien) geschrieben.
Andrea beschäftigte sich in ihrer Arbeit mit dem Themenkomplex sexuelle Orientierung und
Konstruktion von Geschlechtsidentitäten, Johanna interessierte sich für das „alternative“
Beziehungskonzept Polyamorie.
Unabhängig voneinander sind wir dabei über die dominante Präsenz evolutionspsychologischer Theorien gestolpert. Wir kamen nicht umhin, uns an der Frage abzuarbeiten, was solche in Hinsicht auf die uns interessierenden Themenfelder leisten können und wo sie zu kurz greifen und normalisierend wirken.
An unserem AK-Disku-Abend wollen wir für euch den Weg, den wir in unseren Arbeiten genommen
haben, nachzeichnen, und auf dieser Grundlage mit euch gemeinsam Kritik weiterentwickeln und
üben üben.

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Galton, Eysenck & Co.: Eugeniker*innen und Rassist*innen in unserem Lehrplan
-Aktionsworkshop des AK DISKU-

Theorien von Rassist*innen und Eugeniker*innen werden in der Psychologie -auch in Wien- häufig ohne Kontextualisierung übernommen, oft finden sich auch sexistische und klassistische Diskurse.

Besonders unkritisch scheint hierbei die Differentielle Psychologie vorzugehen, diskussionslos wird aber auch in der Statistik und Diagnostik mit Methoden von Eugeniker*innen gearbeitet.
So wird beispielsweise im aktuellen Skriptum zur Vorlesung „Differentielle Psychologie“ an unserer Fakultät über Galton geschriebe, er sei „einer der vielseitigsten und brillantesten Wissenschaftler des 19. Jhdts.“ (S.24, Gittler).
Gleichzeitig, und das bleibt unerwähnt, war Sir Francis Galton (1822-1911) der Begründer der eugenischen Bewegung und Ehrenpräsident der Internationalen Gesellschaft für Rassenhygiene. Er entwickelte ein Konzept zur 'genetischen Verbesserung' der Menschheit und befürwortete die Reglementierung von Familienplanung. Maßgeblich trieb er die Quantifizierung menschlicher Eigenschaften und psychologischer Konstrukte wie „Intelligenz“ voran, für die er die Darstellungsform der Normalverteilungskurve prägte, die bis heute breite Verwendung findet. Weder Galton’s Involviertheit noch die Eugenik mit ihren furchtbarsten Auswirkungen werden im Skript weiter erwähnt.
(vgl. Obermann-Jeschke: Eugenik im Wandel, 2007, Unrast und Gould: Der falsch vermessene Mensch, 1994, stw)

Und Galton ist nur ein Beispiel.

Oft genug haben wir uns in Vorlesungen und beim Lernen aufgeregt und wollen nun einen konstruktiven Umgang mit unserer Kritik entwickeln.
Darum laden wir Euch ein, zum Aktionsworkshop zu kommen, wo wir uns gemeinsam mit eugenischen und rassistischen Auswucherungen in der Psychologie beschäftigen und uns mögliche Interventionen überlegen können.
Texte und viel Raum für Diskussion werden bereitgestellt - wir freuen uns aber auch, wenn ihr Materialien, Berichte und Ideen mitbringt!

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Fiona Kalkstein:
Feminismus und Kritische Psychologie: Annäherungsmöglichkeiten.

Als Marxist begreift Klaus Holzkamp, der Begründer der Kritischen Psychologie, gesellschaftliche Zwänge weitestgehend als ökonomische. Das gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis von Produktion und Reproduktion bleibt hier relativ unbeachtet und somit die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und das Herrschaftsverhältnis im Geschlechterverhältnis nicht greifbar. Gleichzeitig sind das von Holzkamp herausgearbeitete Mensch-Welt-Verhältnis und die daraus resultierende Subjekttheorie ein erheblicher Verdienst für eine emanzipatorische Psychologie. Die Analytische Bestimmung, dass das Individuum untrennbar mit Gesellschaft verbunden ist, lässt die Erklärung menschlichen Leids nicht ohne die Betrachtung ihrer_seiner Lebensbedingungen zu. Dies bietet fruchtbare Anknüpfungspunkte für feministische Theorie, denen im Workshop nachgegangen werden soll. Im Zentrum steht die Frage nach Erklärungsmöglichkeiten für den Zusammenhang von subjektivem Leid und Geschlecht(erverhältnissen). Wenn das unterschiedliche Erleben von Menschen begriffen werden soll, muss die Verschiedenheit ihrer (auch geschlechtlich bestimmten) Lebensbedingungen in ihrer psychologischen Bedeutung betrachtet werden. Während Holzkamp Lebensbedingungen vornehmlich als ökonomisch strukturiert betrachtet, sollen hier die patriarchalen Elemente beleuchtet werden und die Erklärungsnot, die entsteht, wenn diese vernachlässigt werden. Weiterhin sollen Bezüge zu aktueller (queer-)feministischer Theorie betrachtet werden.

Der Workshop ist einführend und diskussionsorientiert. Bei Bedarf kann in der anschließenden Diskussion vertiefend auf die normierende Rolle der Psychologie bei der Herstellung von ‚Wahrheit‘ über Geschlecht und die Problematik einer sich als objektiv verstehenden Wissenschaft diskutiert werden, die sich bei genauerer Betrachtung als in vielen Bereichen affirmativ dem Bestehenden gegenüber erweist

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